Beispiel für Augmented Reality

Erweiterte Realität

Das mit der Realität, das ist so eine Sache. Im wahrsten Sinne des Wortes, schließlich hat das Substantiv seinen Ursprung im lateinischen „res“, also „Sache“. Es gibt Menschen, die flüchten vor dieser „Sache“. Sie schauen Telenovelas, lesen Science-Fiction Romane oder essen Gummibärchen-Pizza. Andere wiederum stellen sie gänzlich in Frage. Denn, wer oder was beweist eigentlich, dass wir real sind? Es ist durchaus wahrscheinlich, dass wir nur Figuren aus einem Kartenspiel sind, die ausschließlich in der Fantasie eines Bäckers leben. Womöglich ist unser Dasein nur eine Geschichte innerhalb einer anderen Geschichte. Aber wie dem auch sei, es gibt auch Menschen, denen die Realität, wie wir sie wahrnehmen, nicht genug ist. Einfach durch die Straßen laufen und die Umgebung genießen? Das ist eine Angewohnheit von gestern. Heute kann man beim Spaziergang erfahren welche Sehenswürdigkeit in der Ferne grüßt und wie ein Gebäude vor zwanzig Jahren ausgesehen hat. Oder: Wie wäre es mit einer Brille, die einem hilft, das ganze Leben zu steuern? Wettervorhersage, Kommunikation, Wegweiser, alles vereint, um die Welt noch besser, schneller und effizienter erleben zu können. Die Realität von morgen, sie wird nicht simpel sein. Die Realität von morgen heißt „Erweiterte Realität“.

„Erweiterte Realität“ oder „Augmented Reality“ ist eines von vielen neuen Werkzeugen, die Marketingverantwortliche mit Höchstgeschwindigkeit in einen Sog ziehen, der von der Weiterentwicklung moderner Technologie verursacht wird. Augmented Reality funktioniert, heute noch, mit Hilfe von Zusatzgeräten. Durch die Zusammenarbeit von Kamera, Bildschirm, Computer, Smartphone, Browser, App und Co. werden alle nur vorstellbaren Informationen visuell dargestellt. Die Angabe des Ortes, an dem man sich gerade befindet, oder ein Marker, der auf einer physischen Oberfläche platziert wird, übermitteln den Bezug zur Realität. Voilà, die Wahrnehmung wird erweitert, ganz ohne Drogen. Auch wenn einem, zumindest auf den ersten Blick, deren unbewusster Konsum in den Sinn kommen könnte. Wenn zum Beispiel Engel vom Himmel fallen, wie bei einer Aktion von Axe. Etwas nüchterner geht es bei Goertz zu: Man kann Schuhe anprobieren, ohne sie tatsächlich am Fuß zu spüren. Die Zielgruppe könnten langfristig alle bilden, die Schuhläden scheuen und dennoch nicht barfuss herum laufen möchten. IKEA bietet einen Katalog mit Mehrwert, doch die Möbel müssen immer noch selbst zusammengebaut werden. Mini stellt ein neues Cabrio vor. Zu schade, dass eine virtuelle Probefahrt nicht möglich ist. Die Liste derer, die sich bereits darin versucht haben, die Realität zu erweitern, ist lang.

Es ist nicht zwingend vorgeschrieben, doch zielführend, das neue Werkzeug in einem bestimmten Kontext zu nutzen. Eine Visitenkarte, die mehr über eine Person, ein Unternehmen oder durchgeführte Projekte verrät. Kataloge, die es einem erlauben, Möbel in der zukünftigen Umgebung maßstabgetreu zu erleben. Zeitschriften, die zusätzliche Inhalte in Form von Videos oder Musik vermitteln. Unterschiedliche Intentionen können dabei interaktiv umgesetzt werden: Aufmerksamkeit erregen, überraschen, Kaufentscheidung unterstützen. Nur sinnlos sollte der Einsatz von Augmented Reality nicht sein, dafür ist er zu teuer. Aber selbstverständlich ist jedes neue Werkzeug auch dazu da, zu experimentieren.

Irgendjemand muss ja die Grenzen überschreiten. Irgendjemand muss zeigen was möglich ist. Irgendjemand muss der Welt helfen, die Rätsel zu lösen. Und das wird kaum derjenige sein, der immer nur den sicheren Weg geht.

„Aber wie alle Joker – in großen wie in kleinen Patiencen – müssen wir den Menschen erzählen, was die Welt für ein unbegreifliches Abenteuer ist. Wir wissen, dass es nicht leicht ist, den Menschen die Augen zu öffnen, damit sie sehen, dass die Welt groß und ziemlich unbegreiflich ist. Und solange sie nicht sehen, dass das, was offen zutage liegt, ein Rätsel ist, solange ist die Welt noch nicht reif, von Frodes Patiencekarten und der magischen Insel zu hören.“

– Jostein Gaarder, „Das Kartengeheimnis“

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