Verkaufsautomat für Kaugummi

Von Menschen, Maschinen und Moneten

Ein kleiner Junge trottet den Bürgersteig entlang. Sein Ranzen wiegt schwer. In der Schule gab es Ärger mit dem Lehrer. Der wollte einfach nicht begreifen, dass Comics wesentlich wertvoller sind als mathematische Formeln. Das Wohlbefinden der Menschheit hängt doch nicht von ein paar Zahlen ab. Jeder weiß, es ist Superman, der uns vor dem Bösen retten wird. Aber, wozu Trübsal blasen. Auf der anderen Straßenseite, nur ein paar Meter vom Schulhof entfernt, wartet Aufmunterung. Kleine Zuckerbälle, versteckt in einem Kasten aus Metall, ändern den Gemütszustand im Nu. Eine Münze klirrt. Sie verirrt sich kurz in einem Schacht und fällt weich. Nur ein Mal den Griff drehen und alles ist gut.

Erste Begegnungen mit Verkaufsautomaten sehen heute nur noch selten so aus. Viel zu schlecht ist der Ruf von unhygienischen Behältern, jämmerlich der von Kaugummis, die nichts anderes können, als Plomben zu ziehen. Und doch, der Vertrieb ohne Personaleinsatz vor Ort erlebt eine Renaissance. Die Welt der Selbstbedienungsautomaten, so vielfältig wie die Formen von Schneeflocken an einem kalten Wintertag, ist im Aufbruch.

In Europa sind laut European Vending Association 3,7 Millionen Maschinen im Einsatz, die einen Umsatz von 26 Milliarden Euro ausmachen. Hinzu kommen all die nicht erfassten Rebellen, die ihr Dasein außerhalb des Verbandes fristen. Die meisten Automaten stehen an Arbeitsplätzen, um Durst und Hunger zu stillen. Andere leben an Flughäfen, in Einkaufspassagen oder Toiletten. Verkauft wird nahezu alles, was die Phantasie der Betreiber zulässt. Von Soforthilfe (Zahnbürsten, Tampons, Schokoriegel), über Stillstand (Parken) und Fortbewegung (Fahrkarten), bis hin zu Kunstwerken, Neuigkeiten oder Gewichtskontrolle.

Vor allem für Geschäftstreibende in Ländern mit gesetzlich geregelten Öffnungszeiten standen sie schon immer für Verfügbarkeit rund um die Uhr. Doch trotz dieses Vorteils waren Verkaufsautomaten eine ganze Weile auf dem Rückzug. Wie selbstverständlich beanspruchte das Internet die Verkörperung von 24/7 für sich. Mit dem Mobiltelefon kam die Eroberung der Straße. Als Folge dessen wurden viele Ressourcen in Richtung virtuelle Welt verschoben. Dem Automaten blieb nur die Rolle des ungeliebten Stiefkindes, dem man zu wenig zutraut, weil man vergisst, dass es nur dann funktionieren kann, wenn es als gleichwertiges Mitglied der Familie angesehen wird.

Ob Superman schließlich in seinem blauen Anzug kam, um seine Welt zu retten, ist nicht überliefert. Aber er hat einen mechanischen Kasten in eine moderne Wundertüte verwandelt. Technologie vereint heute die 24/7 Kräfte. Der Betreiber ist am Verkaufsort Automat in der Lage Social Media einzubinden und Nachrichten an den Käufer in Echtzeit zu senden. Neben Münzen können diverse Karten oder Mobiltelefone als Zahlungsmittel eingebunden werden. Selbstbedienungsautomaten sind längst nicht mehr nur ein kostengünstiger Vertriebsweg, dessen Herausforderung hauptsächlich in der Logistik und Instandhaltung liegt. Coca Cola nutzt seine „Freestyle“ Getränkespender in den USA bereits zu Marktforschungszwecken. Die Automaten befinden sich in einem gemeinsamen Netzwerk und der Absatz wird nach Marke ausgewertet. Telefónica Germany und Seidensticker beweisen hingegen, eine Zukunft, in der Verkaufsautomaten mit anderen Maschinen kommunizieren können, macht auch Hemdenträger an Flughäfen oder in Konferenzzentren glücklich. Ein Verkaufsautomat kann außerdem eine Kampagne unterstützen, als Lockmittel zu anderen Verkaufsorten fungieren oder zu einem Kultobjekt werden. Wie jedes Zahnrad der Bemühungen kann er eine Marke stärken oder schwächen.

 

Zahlen haben in der Geschäftswelt das Sagen. Doch sind es Menschen, die, zumindest heute noch, Entscheidungen fällen. Menschen können zum Wohlsein der Allgemeinheit beitragen, in dem sie bestimmte Zahlen nicht ausschließlich um des Selbstzwecks willen in die Höhe treiben oder nach unten korrigieren. Superman erledigt den Rest…

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