Friseursalon-Schild als Symbol für Haarpflege

Eine haarige Angelegenheit

Ein Drogeriemarkt ist nichts für schwache Nerven. Frauen, die einem „Bad Hair Day“ zum Opfer gefallen sind, seien besonders gewarnt. Sie sollten diesen Ort auf keinen Fall betreten. Toilettenpapier kann man schließlich durch Taschentücher oder alte Zeitungen ersetzen. Martini und Wodka funktionieren auch prima als Nagellackentferner. Nichts aber ist so schlimm wie das Haarpflege-Regal an einem Tag, an dem eine Frau morgens vor dem Spiegel steht und sich wünscht, im nächsten Leben als Sigourney Weaver in „Alien 3“ wiedergeboren zu werden.

An diesen besonderen Tagen wird man den Verdacht nicht los, die Evolution mache es Frauen absichtlich schwer. Frauen müssen jeden Tag unermüdlich kämpfen. Um jedes Haar. Der größte Nutznießer: die Kosmetikindustrie. Ist diese Industrie gar der Verursacher einer bedrohlichen Bewegung? Solche philosophischen Fragen stellt sich eine Frau, die vor einem Haarpflege-Regal steht, eher selten. Sie hat genug andere Probleme. Sie heißen „Rainforest Moisture“, „Anti Fett Fresh Energy“, „Absolut Repair Cellular“ oder „Marrakesh Oil & Coconut“ und beschwören ein Gewitter im Kopf herauf. Eine kurzfristige Linderung verschafft „Natürlicher Schwung“. Aber nur für den Augenblick, in dem die Frau, durch scheinbare Einfachheit abgelenkt, innehält. Geht sie einen Schritt zurück, erblickt sie unendlich viele Möglichkeiten, sich bewusst zu machen, dass irgendetwas nicht stimmt.

Das Regal fordert eine kritische Analyse: Ist mein Haar trocken? Strapaziert? Überstrapaziert? Strohig? Splissanfällig? Glanzlos? Widerspenstig? Platt? Geschädigt? Ist es zu fein? Zu blond? Habe ich zu viel Farbe? Soll ich auf meine Strähnen besonders achten? Wie sieht es aus mit Schuppen? Normalität gibt es nicht. Denn was ist schon normal? Und wie viel davon gibt es noch in unserer Gesellschaft? Zumindest sind weibliche Haare vielfältig. Sie sind fein, lang, lockig oder glatt. Und wenn Frau erst einmal weiß, welche Diagnose sie stellen kann, besteht auch die Möglichkeit der Heilung.

Die magischen Worte heißen: tägliche Pflege, Reparatur, Glättung, Volumen, intensiver Farbglanz, Feuchtigkeit, Haarfüller, Anti-Schuppen, Anti-Fett. Traut Frau sich eine dieser vielversprechenden Flaschen in die Hand zu nehmen, werden die geheimnisvollen Kräfte der kosmetischen Hilfsmittel bestätigt. Die, zumeist nur in Englisch ausgewiesenen, Inhaltsstoffe erinnern an eine sehr lange, sehr komplexe Zauberformel. Zum Glück ist die Anwendung unkompliziert: sanft einmassieren und ausspülen. Da fällt Frau ein riesiger Brocken vom Herzen. Obwohl. Sollte sie doch lieber auf Silikon verzichten? Auf Farbstoffe? Konservierungsstoffe? Doch nicht etwa auf Parfüm? Und was ist mit dem pH-Wert? Neidisch gönnt Frau sich einen Blick ins Männer-Regal. Es ist sehr schmal. Kein Mann steht fragend davor.

Sie weiß: es liegt noch ein langer Weg vor ihr. Haarewaschen ist nur der erste Schritt zum Erhalt der weiblichen Spezies. Es folgen Spülung, Express-Pflegespray, Kur, Gel, Spray, Mousse und Balsam. Hat Kleopatra nicht in Milch gebadet? Was in aller Welt hat sie mit ihren Haaren gemacht? Das nächste Mal wird Frau sich auf jeden Fall besser vorbereiten und zumindest einen Haartypentest machen. Vielleicht wendet sie sich an ihre Verbündeten, die Dove Fans. Oder geht zum Friseur ihres Vertrauens. Ganz bestimmt betritt sie nie wieder einen Drogeriemarkt. Nicht an einem Bad Hair Day.

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