Infografik

Bunte Erzähler

Wir sind von ihnen umgeben. Täglich begegnen sie uns in unterschiedlichen Formen. Sie schreien uns an, verzaubern, machen sprachlos. Sie können schön sein, furchterregend oder nichtssagend. Sie wollen vermitteln. Dreist gaukeln sie nur vor, genau dieses zu tun. Diese ständigen Begleiter in Freizeit und Beruf schlängeln sich durch unser Leben, das ohne sie zwar machbar, aber unterbewusst unvorstellbar ist. Sie verbinden Bild und Wort, machen Fakten greifbar und stellen komplexe Sachverhalte verständlich dar. Dank ihrer Hilfe ist niemand darauf angewiesen, lange Texte zu lesen oder Zusammenhänge erst mit Hilfe von, häufig mit anderen Dingen beschäftigten, Gehirnwindungen herzustellen: Informationsgrafiken.

Informationsgrafiken sind im Grunde genommen nichts Neues. U-Bahn Pläne, Torten- und Balkendiagramme begleiten uns seit unzählbaren Jahren. Im Internet nehmen sie allerdings seit einiger Zeit einen besonderen Stellenwert ein. Ganze Websites werden ihnen gewidmet, zum Beispiel: visual.ly, die von sich selbst behauptet, die mitgliederstärkste Gemeinschaft zum Thema Infografik und Datenvisualisierung zu beherbergen. In diesem Stöberkasten findet man tausende von Informationsgrafiken zu unterschiedlichsten Themen, in Englisch. Ein Exemplar: 5 Reasons Top Talent Leave Their Jobs.

Unternehmen haben viele Gründe, Infografiken zu nutzen. Häufiger Ausgangspunkt ist die Marktforschung, deren Phänomenen wir uns bereits gewidmet haben. Marktforschungsergebnisse werden entweder intern oder extern verwendet. Intern helfen sie, Entscheidungen zu treffen. Extern können sie dazu dienen, die Positionierung eines Unternehmens zu stärken oder seine Expertise zu untermalen. Sie können auch als Futter für Content Marketing fungieren.

Die Präsentation von Marktforschungsergebnissen, egal ob intern oder extern, variiert wie die Qualität von Schokoladensorten: Von zart bis bitter ist alles möglich und alleine der Präsentator entscheidet darüber, was das Publikum konsumiert. Im besten Fall kann die Darstellung von Fakten Powerpointallergien heilen, im schlimmsten Fall üble Pickel auslösen. Das haben schlaue Menschen erkannt und verkaufen das Erstellen von Infografiken als Dienstleistung. Ob JESS3 aus den USA oder ixtract aus Deutschland, Spezialagenturen tragen dazu bei, dass die Infografik sich vermehrt. Wo Unternehmen häufig Nachholbedarf haben, wissen Medien längst um den Vorteil von Informationsgrafiken. dpa, Focus oder Die Zeit, sie alle widmen sich der Verarbeitung von Fakten mit Hilfe von Bild und Wort, in den Printausgaben genauso wie online.

Die Voraussagen renommierter Forscher sind eindeutig: Irgendwann begräbt uns die Datenflut. Sie, und nicht etwa der Klimawandel, wird unseren Untergang bedeuten. Eines Tages liegen wir plötzlich alle unter einem riesigen Berg von Einsen und Nullen und wimmern vor uns hin, haben wir doch selbst nicht unbeträchtlich zur Produktion der Datenmasse beigetragen. Google will uns davor retten, in dem es uns zuerst Suchergebnisse aus dem Kreise unserer auserwählten Freunde anzeigt. Facebook kennt sowieso nur noch eine Welt, in der wir die Zeit mit Gleichgesinnten verbringen. Doch ist eine Infografik der richtige Schutzschild gegen die Bedrohungen der Welt? Oder geht von ihr selbst eine Gefahr aus, wenn sie uns in jemanden verwandelt, der in der Tageszeitung plötzlich nur noch Überschriften wahrnimmt? Der die Umschlagklappen etlicher Bücher überfliegt, statt ein Buch ganz zu lesen?

Die Welt war für uns schon immer ein komplizierter Ort. Früher haben uns Schamanen, Druiden oder Könige das Erfassen von komplexen Sachverhalten abgenommen. Heute sind wir auf uns alleine gestellt. Gestalter von Infografiken und ihre Leser: Wir alle sind dafür verantwortlich, mit dieser Freiheit klug umzugehen.

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