Vielen Dank für Ihren Einkauf!

Es ist Dezember. Wolken hängen bleischwer am Himmel und die Frage, ob man besser einen Regenschirm mitnimmt, wenn man das Haus verlässt, ist allgegenwärtig. Da aber der Kühlschrank leer und die letzte Toilettenrolle bald verbraucht ist, nutzt alles nichts und ich mache mich – ohne Regenschirm – auf den Weg zum nächstgelegenen Supermarkt. Ich komme sogar trocken dort an und meine Laune steigt. Vielen Dank für Ihren Einkauf! weiterlesen

Ausflug: WhatWasThere.com

Ein mittelalterliches Stadttor trotzt selbstbewusst Wetter, Zeit und Planungswahnsinn. Es lächelt einem kränkelnden Bau der fünfziger Jahre entgegen. Die beiden blicken auf ein kaum drei Jahre altes Gerüst aus Metall und Glas, das an nichts erinnert und viele erschreckt. Daneben steht der leblose Schatten eines wieder auferstanden Palastes. Er wirkt fehl am Platz. Die Fenster zu seiner Seele schauen einen traurig an und man erkennt in ihnen die Furcht vor der Bedeutungslosigkeit. Ausflug: WhatWasThere.com weiterlesen

Die Anderen

Licht, das von der Hose, die man gerade anprobiert, ablenkt, weil man im Spiegel einen äußerst blassen Zombie erblickt hat. Schnaufende Verkäufer, die von Blasen an ihren Füßen erzählen. Dreckige Böden, die vermuten lassen, PETA rette jetzt auch Wollmäuse. Hässliche Regale. Falsche Münzen. Unfreundliche Preise. Viele Gründe können an einem altmodischen Point of Sale zum Abbruch des beabsichtigten Kaufes führen. (Altmodische Verkaufsorte sind solche, die weder eine mobile noch stationäre Internetverbindung verlangen, sondern nur, dass ein Mensch physisch anwesend ist.) Die Anderen weiterlesen

Das Klopfen an der Tür

Ein energisches Klopfen lässt die Haustür erzittern. Ist es ein alter Bekannter? Eine nervige Cousine? Oder womöglich ein Einbrecher? Hoffentlich ist es nicht der Nachbar von Gegenüber, der schon wieder erkältet ist. Ein kleiner Blick durch den Spion und schon hat man Sicherheit. Es ist zum Glück der Pizzalieferant. Doch Moment. Jetzt klingelt es auch noch an der Hintertür. Unentschlossenheit. Man will ja nichts verpassen. Muss der Mann mit der gelben Kappe eben noch eine Minute warten. Auf zur anderen Seite. Das Klopfen an der Tür weiterlesen

Geschichte kann man nicht kaufen, einen Apfel schon

Die neue schwarze Jacke hängt stumm über der Stuhllehne. Sie sieht nicht nur toll aus, sie verleiht dem Träger die Aura eines Pop-Stars, ein wenig verrucht, unbedingt „independent“. Zeit endlich das Preisschild loszuwerden. Es erinnert einen sowieso nur daran, dass echte Werte nicht in Zahlen gemessen werden können. Nur ein kleiner Schnitt, das Schild gleitet den Ärmel entlang auf den Tisch, da fängt die Jacke plötzlich an zu sprechen. Die Botschaft, die sie dringend, aber nicht aufdringlich, durch einen Aufdruck vermitteln möchte: „History is made and never bought.“ Geschichte kann man nicht kaufen, einen Apfel schon weiterlesen

Die geschickten Hände einer Frau im Wandel der Zeit

Schwere Männerstiefel stehen still in der Ecke eines modrigen Kellers. Einst gehörten sie einem jungen Fluglehrer. Hinterlassen hat sie ein traumatisierter Großvater, der seine Mitmenschen häufig im Schatten einer dunklen Gasse sah. Selten hatten sie dort Gutes vor.

Etwas Vergilbtes steckt in den Stiefeln. Auf dem Tisch ausgebreitet, zaubern die dünnen Seiten der „Frankfurter Rundschau“ ein Stück Vergangenheit hervor. Die geschickten Hände einer Frau im Wandel der Zeit weiterlesen

Wie kann ich Sie verwirren?

„Ich habe ein bestimmtes Anliegen. Ich kann allerdings nicht darüber reden. Ich leide nämlich an Decidophobie. Das ist übersteigerte Angst vor Entscheidungen. Folgende Ansagen versetzen mich in eine plötzliche Starre:

‚Möchten Sie eine Zugreise buchen, wählen Sie bitte die Eins. Möchten Sie einen Flug buchen, wählen Sie bitte die Zwei. Möchten Sie eine Reise mit dem Space Shuttle buchen, wählen Sie bitte die Drei. Möchten Sie den Erfinder der mechanischen Telefonansage auf den Mond schießen, wählen Sie bitte die Vier.’  Wie kann ich Sie verwirren? weiterlesen

Freundlichkeit ist geil. Habgier ist für Blöde.

Für den englischen Begriff „Random Acts of Kindness“ fällt einem spontan keine gelungene Übersetzung ein.  Das macht stutzig, bietet die deutsche Sprache doch wesentlich mehr Ausdrucksmöglichkeiten, als die zulässigen einhundertvierzig Zeichen einer Twittermeldung ahnen lassen. Vielleicht ist es die Kombination, die Schwierigkeiten bereitet? Sind wir hierzulande nicht fähig, einfach so, ohne einen Hintergedanken, freundlich zu sein? Möglicherweise verzichten wir auf esoterischen Firlefanz und brauchen keinen feststehenden Begriff für eine Selbstverständlichkeit? Und was hat das Ganze mit Marketing zu tun? Freundlichkeit ist geil. Habgier ist für Blöde. weiterlesen

Ausflug: Typeplace

Schnitzeljagd heißt heutzutage Geocaching und geht nicht ohne Technik. Miss Marples Nachfolger sind häufig Detektive mit auffälligen psychischen Störungen, übersinnlichen Kräften oder Mangel an Humor. Das alles heißt aber nicht, dass man nicht nach draußen gehen sollte, um nach Hinweisen zu suchen und Rätsel zu lösen. Ganz im Gegenteil. Ein möglicher Ausgangspunkt heißt Typeplace. Ausflug: Typeplace weiterlesen

Post für Dich

Die virtuelle Macht ist allgegenwärtig. Ihr Einfluss nimmt jeden Tag zu. Es ist kaum möglich, ihr zu widerstehen. Unsere Daten schweben auf Wolken (The Cloud). Wir selbst können jede Bewegung in Echtzeit an andere weiter geben (Facebook, Twitter, Google+). Die „digital Natives“ (Menschen, die nicht wissen wie das Räuspern einer Schallplatte klingt, die sich noch nie in einem Telefonkabel verfangen haben), können sich eine Welt unter anderer Regentschaft noch nicht einmal mehr vorstellen. Post für Dich weiterlesen